Reisen. Arbeiten. Leben.

Ich glaube ich habe noch nie einen so lauten Donner gehört. Erst der hell leuchtende Blitz, dann das tosende Krachen des Donners. Es ist so laut. Die Einheimischen halten sich die Ohren zu und sie lächeln mir zu nachdem ich vor Schreck zusammengezuckt bin.

Mittlerweile steht alles unter Wasser. Ich bin nur im Bikini hierher gelaufen. In unsere Unterkunft habe ich es nicht mehr geschafft. Ein freundlicher Indonesier bat mir Unterschlupf an und nun sitze ich in seinem offenen Lokal und beobachte den Regen.

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Alle freuen sich, denn es ist der erste Regen nach neunmonatiger Trockenheit auf den Gili Inseln. Der Regen wird dringend benötigt. Das Gras ist dürr und die Bäume haben teilweise keine Blätter mehr. Der Weg zum Lokal ist kaum noch zu erkennen. Alles steht unter Wasser. Die Einheimischen lassen sich vom Regen nicht von ihrer Arbeit abhalten. Sie halten einen Hahn ins Wasser und waschen ihn. Danach schneiden sie ihm in den Hals. Plötzlich läuft Wasser vom mit einer Plane abgedeckten Dach eines Nebengebäudes. Alle stürmen hin, damit sich das Regenwasser nicht über dem großen Haufen an Lebensmitteln - ich weiß nicht, ob es Früchte oder etwas anderes waren - übergießt. Sobald das beinahe Unglück vermieden wurde springen drei junge Indonesier unter dem Dach hervor und beginnen im Regen Fußball zu spielen.

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“Es ist ein Segen, dass es regnet”, sagt der Mann, der mir Unterschlupf gewährt hat zu mir. Sein Name ist Hero. Und der Name passt zu ihm. Er ist ein Held. Er fragt mich, ob ich Tee trinken will. Ich lehne dankend ab, denn der starke Regen hat nachgelassen. Der Himmel wird langsam heller und man sieht wieder ein paar Menschen auf der Straße. Ich bedanke mich und mache mich auf den Weg in die Unterkunft, denn Josef hat sich bestimmt schon Sorgen um mich gemacht.